STATEMENT DER THEATERALLIANZ ÖSTERREICH ZUM LEITUNGSWECHSEL AM SCHAUSPIELHAUS WIEN
Die aktuellen Vorgänge rund um die Neubesetzung des Schauspielhauses Wien werfen grundlegende Fragen nach Transparenz und Nachvollziehbarkeit kulturpolitischer Entscheidungsprozesse auf. Ausschreibungen, Hearings und Juryverfahren verlieren an Glaubwürdigkeit, wenn zentrale Entscheidungen für die Öffentlichkeit und die betroffenen Kulturschaffenden nicht ausreichend nachvollziehbar sind. Dadurch gerät das Vertrauen in faire und transparente Verfahren unter Druck.
Es geht dabei nicht um einzelne Personen oder künstlerische Ausrichtungen, sondern um den strukturellen Umgang mit öffentlichen Kulturinstitutionen und die Frage, wie kulturelle Vielfalt in Zukunft gesichert werden kann.
Die Zusammenlegung mehrerer Häuser unter einer Leitung bedeutet eine Konzentration künstlerischer Entscheidungsmacht. Unterschiedliche Leitungen schaffen unterschiedliche Zugänge, Netzwerke, Arbeitsweisen und ästhetische Perspektiven. Eine pluralistische Theaterlandschaft braucht daher nicht nur unterschiedliche Programme, sondern eigenständige Häuser und unterschiedliche Leitungen.
Kooperationen in Verwaltung, Technik oder Infrastruktur können sinnvoll sein. Die Zusammenlegung künstlerischer Leitungen hingegen reduziert langfristig unterschiedliche Zugänge für Künstler:innen, erschwert vielfältige künstlerische Arbeitsweisen und schwächt auf Dauer die Vielfalt einer Theaterlandschaft.
Bei Fusionen und anderen strukturellen Veränderungen braucht es frühzeitige Gespräche und die Einbindung kultureller Akteur:innen. Entscheidungen mit langfristigen Auswirkungen auf die Theaterlandschaft brauchen transparente Kommunikation und einen nachvollziehbaren Austausch mit den betroffenen Künstler:innen. Die öffentliche Reaktion auf die Entscheidung zeigt, dass es sich nicht um Einzelmeinungen handelt, sondern um eine grundsätzliche Debatte über Transparenz, Machtverteilung und die Zukunft öffentlich geförderter Kulturinstitutionen.
Diese Entwicklungen stehen zudem im Zusammenhang mit zunehmendem finanziellem Druck auf öffentliche Kulturinstitutionen. Theaterhäuser geraten unter wachsenden Sparzwang, während gleichzeitig faire Arbeitsbedingungen und Fair Pay eingefordert werden. Umso notwendiger sind transparente Gespräche mit den Häusern über ihre finanziellen Perspektiven in Anbetracht aktueller Sparpolitiken.
In Zeiten kulturpolitischer und finanzieller Herausforderungen brauchen wir nachvollziehbare Entscheidungen und einen offenen Dialog über die Zukunft öffentlicher Kulturinstitutionen.
Die Allianzpartner des Schauspielhauses Wien
klagenfurter ensemble
Schauspielhaus Salzburg
Theater am Lend, Graz
Theater Kosmos, Bregenz
Theater Phönix, Linz
Theater praesent, Innsbruck