Under the influence

von Natalie Baudy
Uraufführung: 12.August.2026
Siegerstück der österreichischen Theaterallianz 2025
Eine Koproduktion von Theater KOSMOS, Bregenzer Festspiele, klagenfurter ensemble und Schauspielhaus Salzburg im Rahmen der Österreichischen Theaterallianz.

 
Drei Frauen aus drei Generationen kommen sich im siebten Stock eines Wohnhauses allmählich näher, als plötzlich seltsame Plagen in ihren Lichthof prasseln. Abgeschnitten von der Außenwelt leeren Ems, Anja und Liselotte Flasche um Flasche und teilen Erinnerungen an Rausch, Beziehungen und Familie. Während die vom ewigen Exzess erschöpfte Göttin Dionysos die Plagen beseitigt, geht den drei Frauen der Alkohol aus und sie fassen einen radikalen Entschluss. – Ein Stück über Abhängigkeiten und der Suche nach einem entpatriarchalisierten Rausch.
 
mit Claudia Carus, Johanna Hainz, Roswitha Soukup, Lisa Schrammel;
Inszenierung und Bühne | Josef Maria Krasanovsky
Video | Dominika Kalcher
Licht | Stefan Pfeistlinger

„under the influence
oder: die rückkehr der bakchen“

 
Ems, Anja und Lieselott wohnen im siebten Stock eines öden Wohnhauses. Sie sind Nachbarinnen, aber statt eines gelebten Miteinanders, leben die drei lieber allein vor sich hin. Bis irgendwann ein apokalyptisches Ereignis ihren Alltag unerwartet durchbricht: Aus dem Himmel über ihrem Lichthof regnen Plagen: Blut, Würmer, Schlamm, getragene Sportsocken… Zum Glück gibt es da die Hausmeisterin Dionysos, die sich nicht nur bestens mit rauschhaften Zuständen auskennt, sondern auch ein Ass in Sachen Plagenentfernung ist. Und apropos Rausch: Während draußen die Welt aus den Fugen gerät, entdecken die drei Frauen bislang unerkannte Gemeinsamkeiten und beginnen, sich einander anzunähern und sich zusammen einzurichten. Zwischen Homeoffice, gescheiterten Beziehungen, Karrieredruck, Social-Media-Inszenierung und verdrängter Familiengeschichte wird Alkohol zum Bindemittel ihrer neu entstehenden Gemeinschaft.
Doch als irgendwann die letzte Flasche geleert ist, kippt die Stimmung. Aus fröhlicher Ekstase werden Überdruss und Wut und die Suche nach dem Übel allen Seins beginnt.
 
„under the influence“ erzählt von einer eingeschlossenen Gegenwart, in der der Ausnahmezustand zur Normalität wird. In einem Sog aus Tragödie, Groteske und schwarzem Humor verweben sich antike Mythologien mit Gegenwartskritik und Popkultur, doch am Ende bleibt die Erkenntnis: "die erschöpfung, die hartnäckige,
die geht einfach nie, nie ganz weg"
 
Laut der Jury entwirft Natalie Baudy die Geschichte mit dem ihr eigenen federleichten Schwung und nähert sich den Figuren ihres Stücks mit dem ihr eigenen coolen Humor. Das reizvolle und spezielle Spiel mit verschiedenen Sprachebenen und Jargons ergibt eine charmant trashige Mischung aus Melancholie und Lässigkeit, die die Atmosphäre des Stückes durchwegs bestimmt. Das hat Esprit, ist witzig, geistreich und frech.
 
Es ist ein angenehm ironisches Outfit, dass sie ihren Figuren gibt, und immer wieder funkeln poetische Schnipsel aus den scheinbar leicht hingeworfenen Sätzen. Die Sprache wirkt beiläufig und zufällig, ist aber präzise eingesetzt, evoziert ein glasklares Bild der drei Protagonistinnen und beschreibt schließlich weit mehr als nur ein zeitgeistiges Lebensgefühl. Kleine Momentaufnahmen werden zu kompletten Charakterprofilen, aus knapp überliefertem O-Ton schälen sich scharfkantige dramatische Figuren. Dabei behalten die Sprechenden immer einen leicht distanzierten Abstand zum Gesagten - schließlich sollen sich Emotionen oder Gefühle ja in den Zusehenden manifestieren.
 
Auch wenn die Erzählungen der drei Frauen düsterer werden, es bleibt immer eine gewisse Coolness über den Szenen, immer eine unaufgeregte Beiläufigkeit im Rhythmus der Dialoge, immer eine scheinbare Banalität in den Themen - da werden aus trivial anmutenden Inhalten und Situationen ikonische theatralische Momente.
 
Und selbst wenn die Bakchen am Schluss in ihrer zerstörerischen Wut alles niederreißen, was an Herkömmlichem, an Beengendem und Bevormundendem im Weg steht, fehlt bei Natalie Baudy nie das Augenzwinkern. Sie weiß genau, dass Tragik und Komik sich bedingen: „wir sind der abgrund im herz um zwei uhr morgens, wir sind der gedanke, den du dir nicht erlaubst, wir sind die nummer, die du blockiert hast, wir sind die nachricht, die trotzdem durchkommt, wir sind das verneinen der behaupteten pflicht, wir sind eine ganz ganz ganz schlechte idee - öffne die fenster und öffne die haustür, stell dich aufs dach, wir holen dich ab“

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